Geschichte vom Kahlenbergerdorf

Die Geschichte des Dorfes geht bis auf die Jung-Steinzeit zurück. Auf dem Gebiet des Kahlenbergerdorfes und des Leopoldsberges gab es bereits um 2500 v. Chr. erste Siedlungen. Bereits ab 850 v. Chr. (Hallstattzeit) wurde hier Weinbau betrieben. Auch mit der Ankunft der Römer vor der Zeitenwende wurde der Weinbau fortgesetzt. Eine Römerstraße führte auf heutigem Dorfgebiet der Donau entlang. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Kirche/Kirchturm auf überdeckten Schichten der Fundamente eines Kastells des Römischen Limes stehen.

Das heutige Kahlenbergerdorf entstand bereits im 11. Jahrhundert auf einer Terrasse am Abhang des heutigen Leopoldsbergs, der ja ursprünglich Kahlenberg hieß. Erst anno 1135 wird das Dorf als „Chalwenperge“ urkundlich erwähnt. Den Kern der Siedlung bildete eine Burg, die 1136 erstmals urkundlich als Sitz des Ministerialengeschlechts der Kahlenberger genannt wird. Die Kahlenberger sind zwischen 1110 und 1225 als wichtige Gefolgsleute der Babenberger nachweisbar und traten als deren Kellermeister und Schenke auf. Im Südwesten des heutigen Dorfes errichteten sie eine Burgkirchenanlage, für deren 1168 bereits bestehende ecclesia Rudolf de Challnperge ein Lehen in Niwendorf als Benefizium stiftete. Die bestehende Kirche dürfte im Kern auf diesen hochromanischen Bau zurückgehen, der am Anfang des 13. Jahrhunderts weitgehend umgestaltet wurde. Noch heute sind im Kirchhof Teile dieser romanischen Burg erhalten. Teilweise sind die Mauerreste heute sogar in benachbarte Häuser integriert worden, und unmittelbar hinter der Kirche befindet sich noch ein langes, hohes Mauerstück der Festung samt einem Schwibbogen.

Nach dem Aussterben der Kahlenberger um 1225 ging das Lehen an den Landesfürsten Herzog Leopold VI. über. Sein Nachfolger Herzog Friedrich der Streitbare schenkte die Besitzung dem Stift Klosterneuburg, das die Burgkirche zur Pfarrkirche erhob und einen Friedhof um die Kirche anlegen ließ. Die Burg hingegen wurde dem neuen Besitzer noch nicht übergeben, sie diente zunächst als Sitz der letzten Babenbergerin Herzogin Gertrud und wurde erst 1261 von König Ottokar II. Przemysl endgültig dem Stift ausgefolgt. Ende des 13. Jahrhunderts errichteten die Habsburger eine Burganlage auf dem damaligen Kahlenberg, dem heutigen Leopoldsberg; die alte Burg im Dorf wurde dem Verfall preisgegeben. Die Kirche wurde durch einen spätgotischen Chor erweitert, dessen Baudatum mit einer für das Jahr 1420 überlieferten Weihe in Zusammenhang stehen dürfte. 1482 wurde die Pfarre als Entschädigung für die Kämpfe zwischen Friedrich II. und Albrecht VI, sowie die Kriegszüge des ungarischen Königs Matthias Corvinus, die Klosterneuburg finanziell schwer in Mitleidenschaft gezogen hatten, dem Stift voll inkorporiert. Während der 1. Türkenbelagerung 1529 wurden die romanischen und gotischen Gewölbe zerstört. Mangelnde finanzielle Mittel und das Zeitalter der Reformation führten zum Niedergang der Pfarre: 1544 vermerkt ein Klosterneuburger Visitator, dass im Kahlenbergerdorf nur einmal im Jahr von einem Chorherren die Messe gelesen werde. 1781 wurde die Pfarre im Zuge der Josephinischen Pfarregulierung neu errichtet.

Das Kahlenbergerdorf erlebte im hohen Mittelalter seine Blütezeit. Es war ein durchaus wohlhabender Ort, der gar nicht so klein gewesen sein kann, denn 1482 wird das Dörfl in einer Bulle von Papst Sixtus IV. als oppidum - also als Stadt - bezeichnet. Durch die beiden Türkenbelagerungen 1529 und 1683 wurden Kirche und Dorf arg in Mitleidenschaft gezogen. 1679 wütete die Pest im Kahlenbergerdorf. Zum dritten Mal wurde durch marodierende Soldaten das Dorf im Jahre 1809 verwüstet, als französische Truppen brandschatzten und plünderten. Mit einem Großbrand am 14. Juli 1838, bei dem auch die Kirche stark beschädigt wurde, ereilte das Kahlenbergerdorf noch einmal eine Katastrophe, und sieben Jahre später standen abermals etliche Häuser in Flammen.

Es gab auch schöne und ruhige Zeiten und bemerkenswerte Ereignisse im Dörfl: 1762 wird eine Schule erstmals erwähnt, 1779 lässt die Gemeinde ein Schulgebäude errichten, 1899 wird ein neues Schulgebäude errichtet; die Volksschule besteht bis 1958; Franz Schubert führte im August 1828 hier mit vier Freunden seine bezaubernde Komposition „Leise flehen meine Lieder“ zum ersten Mal auf; 1870 Eröffnung der Franz-Josephs-Bahn mit eigenem Bahnhof; von 1875 – 1931 gab es im Kahlenbergerdorf im „Schlössl“ - einem prächtigen, großzügigen Bau aus dem 18. Jht. - ein Kinderasylheim der Freimaurerloge „Humanitas“, in dem die Kinder nicht mehr in einem kasernenähnlichen Heim wohnten, sondern nach dem Prinzip moderner Kinderdörfer erzogen und betreut wurden. 1890 wird eine Standseilbahn auf den Leopoldsberg errichtet, die bis nach dem Ersten Weltkrieg in Betrieb war; im selben Jahr wird das Kahlenbergerdorf der Gemeinde Wien eingemeindet (19. Bezirk Döbling); eine Schiffsanlagestelle wird errichtet; 1910 Gründung der freiwilligen Feuer- und Wasserwehr, seit 1930 städtische Feuerwache mit neuem Feuerwehrhaus; 1983 wird der überparteiliche „Verein der Freunde des Kahlenbergerdorfes“ gegründet, der den spätgotischen Pfarrkeller gemietet hat und mit der Pfarre eng zusammenarbeitet; der Hafen Kuchelau ist Wiens ältestes Paddelzentrum. Das 532 Ar große Anbaugebiet für Weine bildet geschlossene Riedbestände an den zur Donau abfallenden Hängen von Burgstall, Kahlen- und Leopoldsberg. Die exponierte Lage, die speziellen Böden sowie das besondere Klima durch die nahe Donau unterscheiden den hier gekelterten „Kahlenberger“ von Weinen benachbarter Anbaugebiete. Der grün markierte Weinrundwanderweg mit herrlichen Aussichtspunkten, Infotafeln, Schaustücken, Infofolder und einem Lehrweingarten führt die Besucher im Laufe von zwei Stunden zu den schönsten Weinrieden.